Eine Flurkarte ist dicht beschriftet: Zahlen an Grenzen, Kürzel in Flächen, Symbole an Gebäuden. Wer weiß, wonach er schaut, liest daraus in zwei Minuten Grundstückszuschnitt, Bebauung und Nutzung ab. Diese Anleitung geht die Elemente der Reihe nach durch.
Das Grundgerüst: Linien und Nummern
Die kräftigen durchgezogenen Linien sind Flurstücksgrenzen. Innerhalb jeder so umschlossenen Fläche steht die Flurstücksnummer: entweder als einzelne Zahl (etwa 45) oder als Bruch (45/2). Der Bruch bedeutet, dass das ursprüngliche Flurstück 45 geteilt wurde; alle Teilstücke behalten den Zähler und bekommen fortlaufende Nenner.
Gebäude erscheinen als geschlossene Grundrisse, meist kräftiger gefüllt als die umgebende Fläche. Bei größeren Gebäuden steht die Hausnummer im Grundriss, Straßennamen laufen entlang der Verkehrsfläche.
Grenzpunkte
Kleine Kreise oder Kreuze auf den Grenzlinien markieren Grenzpunkte. Sie entsprechen den abgemarkten Punkten in der Natur, also Grenzsteinen, Rohren oder Bolzen. Fehlt eine Abmarkung im Gelände, heißt das nicht, dass die Grenze unklar ist: rechtlich gilt der Katasternachweis.
Nutzungsarten und ihre Farben
Jede Fläche im Kataster hat eine tatsächliche Nutzung. In der Kartendarstellung wird sie über Farbe und Beschriftung unterschieden. Die häufigsten Gruppen:
| Nutzungsart | Bedeutung |
|---|---|
| Wohnbaufläche | überwiegend Wohnen |
| Industrie- und Gewerbefläche | Betriebe, Lager, Handel |
| Fläche gemischter Nutzung | Wohnen und Gewerbe nebeneinander |
| Fläche besonderer funktionaler Prägung | Verwaltung, Bildung, Kultur, Gesundheit |
| Landwirtschaft | Acker, Grünland, Gartenland |
| Wald / Gehölz | Forst und Baumbestand |
| Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche | Sportplätze, Parks, Kleingärten |
| Verkehrsfläche | Straße, Weg, Platz, Bahn |
| Fließ- und stehendes Gewässer | Bach, Fluss, Kanal, See, Teich |
Abkürzungen, die häufig auftauchen
Die Beschriftung ist knapp gehalten, damit die Karte lesbar bleibt. Diese Kürzel begegnen Ihnen am häufigsten:
| Kürzel | Bedeutung |
|---|---|
| Gem. | Gemarkung |
| Fl. | Flur |
| Flst. / FlSt | Flurstück |
| ALKIS | Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem |
| ÖbVI | Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur |
| ha / a / m² | Hektar (10.000 m²), Ar (100 m²), Quadratmeter |
| ETRS89 / UTM32 | Lagebezugssystem, in dem die Koordinaten geführt werden |
| EPSG:25832 | der zugehörige Codeschlüssel: UTM-Zone 32 Nord |
Mit dem Maßstab richtig messen
Der Maßstab steht im Kartenrahmen, dazu gehört immer eine Maßstabsleiste. Rechnen Sie so um:
- 1:500: 1 cm auf dem Papier entspricht 5 m in der Natur
- 1:1000: 1 cm entspricht 10 m
- 1:2000: 1 cm entspricht 20 m
Das gilt nur, wenn der Ausdruck unverzerrt ist. Stellen Sie im PDF-Viewer Tatsächliche Größe ein, nicht An Seite anpassen, sonst schrumpft die Karte um einige Prozent und jede gemessene Länge ist falsch. Zur Kontrolle messen Sie die Maßstabsleiste nach: Stimmt sie, stimmt der Rest.
Genauer als Nachmessen
Für Flächen gilt: Rechnen Sie nicht selbst aus der Karte. Die amtliche Fläche steht als Zahl im Kataster und ist der rechtlich maßgebliche Wert. Er kann geringfügig von der gezeichneten Geometrie abweichen.
Wenn Sie in CAD weiterarbeiten
Im DXF-Format liegen dieselben Inhalte als Vektordaten auf getrennten Layern: Flurstücke, Gebäude, Straßen, Gewässer, Nutzungsarten, Beschriftungen. Sie können einzelne Ebenen ausblenden, Strecken exakt abgreifen und die Karte als Grundlage in Ihren Entwurf legen. Die Daten sind in EPSG:25832 georeferenziert, passen also ohne Verschiebung zu anderen amtlichen Geodaten.
Was die Flurkarte nicht zeigt
- Eigentümer: die stehen im Grundbuch beim Amtsgericht, nicht in der Karte.
- Baulasten: die führt das Baulastenverzeichnis der Bauaufsicht.
- Baurecht: was gebaut werden darf, regelt der Bebauungsplan der Gemeinde.
- Leitungsrechte im Detail: Ver- und Entsorgungsleitungen führen die Netzbetreiber.
- Höhen: die Flurkarte ist eine Lagekarte, kein Höhenmodell.
Was die Begriffe Flurkarte, Liegenschaftskarte und Katasterkarte voneinander unterscheidet, steht in diesem Artikel; die Grundlagen zum Aufbau finden Sie unter Was ist eine Flurkarte?.
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Flurstück suchenFazit
Drei Dinge genügen, um eine Flurkarte sicher zu lesen: die Nummer im Flurstück, die Nutzungsart der Fläche und den Maßstab im Rahmen. Grenzpunkte, Abkürzungen und Beschriftungen ordnen sich darum herum. Und wenn es aufs Millimetermaß ankommt, arbeiten Sie besser mit dem DXF als mit dem Lineal auf dem Ausdruck.